jazz photography
Die neue Seite für Jazz Fotos: http://www.jazzfotografie.de
Aktuell: Enjoy Jazz 2007
Jazz - Fotografie - Anderes: In diesem Blog werden An- und Einsichten zu Jazz, Fotografie und anderen weltbewegendenen Themen verbreitet.




Tatsächlich königliches Vergnügen - wie es die Plakate mit der Krone allüberall versprachen - bereiteten einige Konzerte des Enjoy Jazz Festivals 2006. Über 50 Veranstaltungen fanden in diesem Jahr statt und es war augenscheinlich, daß der Zuspruch in diesem Jahr noch einmal zugenommen hat. Fürs kommende Jahr sollten vielleicht schon einmal die "Wegen Überfüllung geschlossen" Schilder in Auftrag gegeben werden.
Zum Jazztalk* ins Jazzinstitut Darmstadt war Nils Wogram mit Root 70 gekommen.
PS:
Fotografen
Auffällig war die hohe Fotografendichte im Konzert. Da ich mich leider allzu selten in diesen Spielort verirre weiß ich nicht, ob die Fotografenmeute nur anlässlich der Gruppe zugegen war oder zur Stammbesetzung des Jazzkellers gehört.
In der ersten Reihe saßen drei Fotografen, aus dem Hintergrund knipste eine ältere Dame noch gelegentlich - drei davon mit Blitz. Möglicherweise bin ich ja von den Enjoy Jazz Fotografen verwöhnt - bei denen ist es usus, daß nicht wild herumgeblitzt wird. Das hat zum einen mit Rücksicht zu tun - auf Musiker und auf das Publikum - zum anderen mit Gestaltung. Vielleicht hat es sich zu den Blitzern noch nicht herumgesprochen: eure Bilder sind platt und atmosphärelos. Also lasst es lieber. Dieser kleine Apell gilt nicht dem Herrn vorne rechts, der das offensichtlich schon weiß - und ich selbst entschuldige mich für das Klacken des Spiegels in der Pentax :-)
*(die Namensgleichheit mit dem Jazzforum der Jazzpages ist unbeabsichtigt - keine Ahnung was zuerst existierte).

Dieses Konzert war ein Geschenk. Randy Weston mit seinem African Rhythm Trio, bestehend aus Randy Weston am Flügel, Alex Blake am Bass und Neil Clarke an den Percussion-Instrumenten. Ein Geschenk von einem achtzigjährigen Musiker, der sich tatsächlich nach Mannheim aufmacht, in die Feuerwache, um vielleicht 160 Menschen seine Musik vorzuspielen. Kein neu erfundener Stil, keine Zäsur der Jazzgeschichte an diesem Abend.
Stattdessen das Können und der unverwechselbare Stil eines der ganz Großen des Jazz, der gänzlich unprätentiös das spielt, was er seit einem halben Jahrhundert spielt: Jazz – von Monk inspiriert mit afrikanischen Rhythmen akzentuiert. Das ganze Register des Flügels ausnutzend, prägend die leichthändig gepingelten Noten im hohen Register, konterkariert mit den mächtig hingeschlagenen Akkorden der Linken – und über allem diese Leichtigkeit des fließenden Rhythmus. Ja, gehört hat man das schon auf Aufnahmen aus den 60er Jahren, das aktuelle Trio variiert, raffiniert und bringt diese Musik zeitlos und schön auf die Mannheimer Bühne. Eine zutiefst menschliche Musik, voller Klarheit und Tiefe.
Man hört diese Musiker fast mit etwas Wehmut, weil man ahnt, daß mit der Generation Randy Westons eine Jazzmusiker-Generation aussterben wird, die eine ganz eigene Bühnenpräsenz entwickelt. Wer den 80-jährigen Weston erlebt, wie er mit offensichtlicher Freude am Konzert spielt und mit dem Publikum voller Herzlichkeit und - ja Dankbarkeit, man glaubt es kaum, umgekehrt sollte es sein - spricht, dem muss im Vergleich der Großteil aktueller Jazzmusik kalt und unnahbar erscheinen.
Danke für diesen wundervollen Abend an Randy Weston, Alex Blake und Neil Clarke – und auch an die Organisatoren von Enjoy Jazz, die dieses Ausnahme-Konzert ermöglichten.
PS: Von der aktuellen CD dieses Trios „Zep Tepi“, erschienen bei Random Chance bin ich schlichtweg hingerissen, auch beim zweiten Hören nach Mitternacht. Ein Meisterwerk – lange Ausschnitte daraus in der nächsten Jazzology Sendung am 13.11.06 um 21 Uhr - auch übers Internet empfangbar...
Vier? In der Tat, denn den Künstler Roy Nathanson konnte man gleich zweimal innerhalb von drei Tagen in allerdings unterschiedlichen Konzerten hören. Nach dem Montagslf-Konzert von Roy Nathanson's Sotto Voce, das ausgesprochen gelungen war (weiter unten ist dazu etwas zu lesen), bin ich frohen Mutes am Mittwoch in den Karlstorbahnhof gepilgert, das gleichzeitig in Mannheim stattfindende Konzert von Jon Hassell verschmähend. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es die richtige Wahl war.
Das Marx Brothers Project spielte swingbasierten Jazz, gar nicht mal übel. Herb Robertson an der Trompete war toll und auch der Altsaxophonist Andy Laster - faktisch als Leader der Gruppe - wusste zu gefallen. Was ein wenig fehlte, war der direkte Bezug zu den Marx Brothers. Im Hintergrund der Bühne war eine Leinwand aufgebaut, auf der mehr als die Hälfte des Konzertes eine Fehlermeldung zu sehen war. Irgendwann wurde dann zwar eine wirklich sehenswerte Filmsequenz mit Harpo (das ist doch der blondgelockte Harfenist?) gezeigt, die auch von der Gruppe ehrfurchtsvoll schweigend betrachtet wurde.
Roy Nathanson agierte wie schon am Montag mindestens ebenso häufig als Sänger wie als Saxophonist - und da ging vermutlich ein gewisser Charme des Projektes unter.
Zeitgleich - mutig, mutig - zum großen Enjoy Jazzfestival findet um Eberbach herum das "Jazzme" Festival statt. Einige Konzerte in Eberbach direkt und in umliegenden Ortschaften, organisiert vom Kulturamt Eberbach, genauer gesagt von Tobias Soldner. Jazz auf dem Lande sozusagen, eine ehrenwerte Initiative.
Diese beiden Scheiben sind bei jazz4ever erschienen, einem Label, dem ich schon seit Jahren freundschaftlich verbunden bin. Der Labelbesitzer und Produzent Alfred Mangold hat ein sehr glückliches Händchen was "modern jazz" aus deutschen Landen angeht. Live im Modehaus bestätigt sich das. Das Quintett spielt eigenständigen modern jazz, Kompostionen mit markanten bis eingängigen Themen und improvisiert zupackend - Jazzhörer-Herz, was willst Du mehr. Wenn auch nicht bis ins letzte Detail perfekt, so ist das allemal spannender und hörenswerter als vieles, was von arrivierten Herren (und Damen) des Jazzbetriebs ansonsten geboten wird.
Beim Konzert am Freitag abend war die Saalfüllung immerhin kein Problem...
Auf ein paar Pixel am Schirm reduziert klingt das allzu harsch und natürlich stand kein hilfloser Greis auf der Bühne des Feierabenhauses. Gelegentlich spielte Shorter kurze, gelungene Dialoge mit Perez oder Patitucci und es mag sein, daß er einen großen spirituellen Anteil an der Gestaltung der gespielten Stücke hatte. Gemessen an den hohen Erwartungen für mich zuwenig.
Schlicht großartig waren allerdings auch die drei weiteren Musikanten des Quartetts. Danilo Perez am Flügel, John Patitucci am Bass und Brian Blade am Schlagzeug wären als Trio allein schon eine Offenbarung gewesen. Abgesehen davon, daß sie Shorter bedingungslos unterstützten waren die drei derart druck- und spannungsvoll und dabei voller Spielwitz, daß Zuhören und -sehen eine reine Freude war.














Montag abend gab es ein Wiedersehen und Wiederhören mit Roy Nathanson und seiner Band. Letztes Jahr waren war er schon bei Enjoy Jazz aufgetreten und diesmal - fast mit der gleichen Besetzung - unter dem neuen Namen "Sotto Voce" in Das Haus in Ludwigshafen zu Gast.
Das Nathanson-Konzert 2005 war einer der Highlights des Festivals und so konnte man nach einem Jahr mit Begeisterung die Combo wiederhören. Vor einigen Tagen konnte ich von Hans Kumpf über ein Konzert lesen: "Jazz-Sessions ... lassen allzu oft ein wichtiges Moment beim gemeinsamen Improvisieren vermissen, nämlich das der Freude und der Lust." - das genaue Gegenteil darf man bei Roy Nathanson Konzerten feiern: Spielfreude, Können und Vergnügen bei Spielern und Zuhörern.








Es läuft unter anderem Musik von







Sie wird mit einer speziellen Fingerschlagtechnik gespielt und bietet eine große Klangvielfalt. Genaugenommen besteht die Tabla aus zwei Trommeln: einer bauchigen aus Metall oder Ton (Bayan (die "Linke") oder auch Duggi genannt) und einer mehr zylindrischen aus Holz (die eigentliche Tabla, auch Dayan (die "Rechte" genannt). Das augenfälligste sind die schwarzen Punkte auf den kompliziert aufgebauten Fellen (Puri). Diese werden aus einer geheimen Mixtur mit Eisenstaub, Reis und anderen Zutaten hergestellt und sind hauptverantwortlich für den unnachahmlichen Klangreichtum der Trommeln. Zum Spielen werden die Trommeln in Ringe gestellt, damit sie den nötigen Halt haben und der Korpus unbeeinträchtigt schwingen kann.
Auf der bauchigen Bayan erklingen die charakteristischen melodiösen Bassklänge, während die kleinere Trommel mit einem Hämmerchen auf einen bestimmten Grundton gestimmt wird. Wegen des komplexen Aufbaus der Felle und der vielen Anschlagsmöglichkeiten kann eine Vielzahl verschiedener Klänge erzeugt werden.

Archie Shepp & Dar Gnawa "Kindred Spirits" bei Enjoy Jazz
Liest man von Archie Shepp, dann stolpert man im ersten oder zweiten Satz über die Geschichte. Die Geschichte von Archie Shepp dem Freejazzer, dem "angry young professor", der mit seinem Saxophon gegen Rassentrennung aufschrie. Die Enjoy Jazz Hörer kennen Archie Shepp dagegen eher als älteren - ruhiger gewordenen - Herren, der schon im Jahr 2004 beim Festival auftrat - damals mit der Sängerin und Pianistin Amina Claudine Myers. Mit gleichem Anzug und Hut beehrte der Saxophonist und - mittlerweile gleichberechtigt zu nennen - Sänger auch Enjoy Jazz 2006. Mit dabei die Mitglieder seines aktuellen Quartetts: Tom McClung, p; Wayne Dockery, b; Steve McCraven, dr.
Musikalisch ist Shepp, das war schon vor zwei Jahren so, stärker denn je bei den authentischen Jazz-Wurzeln angekommen. Blues und Spirituals sind die ständig präsente musikalische Grundlage und Jazz der Vor-Free-Jazz-Zeit ist das musikalische Netz des ersten, vom Quartett allein bestrittenen Sets. Die Botschaft ist durchaus noch die Gleiche: Rassentrennung und Diskriminierung sind das Übel – nur ist der wütende Protest einer abgeklärteren Darstellung gewichen. Wenn Archie Shepp das seiner Großmutter – einer ehemaligen Sklavin - gewidmete „Revolution“ mit den Mitteln des originären Jazz darstellt, dann wird die bluesgesummte Melodie zu einer eindringlicheren Anklage als es wildes Proteströhren aus dem Saxophon je sein könnte.
Der alte didaktische Fuchs Shepp weiß es außerdem recht plastisch vorzuführen, wie Musik seiner Vorfahren gemacht werden musste. So bittet er Steve McCraven zu sich an den Rand der Bühne und der macht dann Musik mit dem einzigen Instrument, das Schwarzen Ende des vorletzten Jahrhunderts und zu Beginn des letzten eben zur Verfügung gestanden sei: dem eigenen Körper. „Human Beatbox“ nennt sich das in der modernen Variante, Napoleon Maddox hat es im letzten Jahr mit Roy Nathanson vorgemacht. Von Shepp und McCraven wird es als kleine Geschichtsminute und Rückschau auf den Beginn einer Musikrichtung aber letztlich auch einer gesellschaftlichen Entwicklung zelebriert.
Das zweite Set dann mit der marokkanischen Formation Dar Gnawa unter dem Titel „Kindred Spirits“. „Kindred Spirits“ darf man mit „Seelenverwandte“ übersetzen und diese Seelenverwandschaft zwischen Shepps Quartett und Shepp und dem Frontmann der Nordafrikaner, Maalem Abdellah El Gourd ist vorhanden.
Die Blues-Elemente Shepps, auf dem Saxophon und vor allem in seinem Gesang – der gelegentlich einmal in archaisches Schreien übergeht – spiegeln sich in der urwüchsigen Energie des Dar Gnawa Ensembles wider. Pharoah Sanders hat einmal auf einer seiner Stücke „Our Roots began in Africa“ gesungen und in dieser Begegnung zwischen Shepp und den marokkanischen Musikern treffen die afrikanischen Wurzeln und die Wurzeln der afro-amerikanischen Musik fruchtbar aufeinander.

















Eicher, von Haus aus selbst Musiker, gründete sein Label 1969 aus dem Gefühl heraus, daß allzuviele Jazzaufnahmen von eher mäßiger Aufnahmequalität waren. Damals sagte er sich: „das mache ich besser“ - und er tat es. Mit 16.000 DM Startkapital und den ersten Platten für das junge Label mit Keith Jarret, Chick Corea und weiteren Musikern aus dem Miles Davis Umfeld. „The most beautiful sound next to silence“ war und ist das ideale Klangbild, auf dessen Spur sich Manfred Eicher mit jeder produzierten Platte macht.
Eichers Ansichten, gewürzt mit vielen anekdotischen Erzählungen, wie zum Beispiel zur Entstehung des Klassikers „Köln Concert“ von Keith Jarret oder zu leider nicht entstandenen Aufnahmen – so wie die mit Miles Davis und Keith Jarret, die letztlich nur an vertraglichen Verpflichtungen von Miles Davis scheiterte – unterhielten und informierten die Matineebesucher prächtig. Die zeigten sich ausgesprochen interessiert und beteiligten sich mit sachkundigen Fragen – offensichtlich hatte sich an diesem Morgen ein Häufchen echter ECM-Freunde zusammengefunden.












Ganz frisch im CD-Player liegt die neue Aufnahme von Axel Schlosser. Dessen Qualitäten wurden von mir bereits hinlänglich gewürdigt. Mit "Sounds From My World" hat er innerhalb kurzer Zeit bereits seine zweite CD bei jazz4ever herausgebracht. Diesmal spielt Tony Lakatos am Tenorsax und erfreulicherweise ist der Ausnahmepianist Rainer Böhm wieder mit von der Partie. Komplettiert wird das Quintett mit Arne Huber am Bass und Jean Paul Höchstädter an den Trommeln.
Ganz was anderes aber ebenfalls schön zu hören: The Mercy Brothers mit "Strange Adventure" - Der Sänger Barrence Whitfield und Gitarrist Michael Dinallo habe sich mit einigen weiteren verdammt guten Musikern zusammengetan und ein "hillibilly blues recording" aufgenommen - handgemachte Musik vom Feinsten a la Taj Mahal.
Einfach liegengeblieben unter einem kleinen Stapel von Neuerscheinungen aber wiedergefunden und durchaus spielenswert ist die aktuelle CD der Jazzpistols.
Ausgesprochen positiv fallen mir immer wieder CDs auf, bei denen auch aufs Äußere geachtet wird - sprich eine originelle oder wenigstens nicht schlampig produzierte Hülle den Silberling umfängt. Die CD von Quadro Nuevo ist als kleines Büchlein gestaltet, gedruckt auf ordentlichem Papier mit schönen Fotos. Die Texte sind in Deutsch, English und Französisch verfasst - den Platz hat die Gruppe also auch benötigt.
Die bei Enja erschienene CD der israelischen Sängerin Efrat Anoy ist ein kleines Juwel. Die Dame hat eine markante und variable Stimme, die sich zwischen samtweichen Passagen, mädchenhafter Luftigkeit und knarzig verschleiften Ecken und Kanten a la Billie Holiday bewegt.
Das Quartett um den dänischen Gitarristen hat sich einen Abend in der 55 Bar in New York für seine Live-Aufnahme gewählt.