Schindelbecks Jazz Blog

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Sonntag, November 20, 2005

Konzert: Mad Michel in Heidelberg

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"Mehr Licht" - das war der wiederholt geäußerte Wunsch von Rudi Mahall auf der Bühne des Jazzclub Heidelberg im dai beim Konzert der Formation Mad Michel. Mad Michel, das sind Sebastian Gramss am Bass, Rudi Mahall an der Bassklarinette, Matthias Schubert am Tenorsaxophon und Christian Thomé am Schlagzeug.

Auf mehr Licht erpicht war der gute Rudi Mahall, weil alle Musiker Notenständer vor der Nase hatten und immer wieder konzentriert die Partituren von Herrn Gramss studieren mussten.



Man konnte also erkennen, daß die Herrschaften noch nicht allzu lange in dieser Formation zusammenspielen und das Konzert in Heidelberg wohl noch zum Trainingsprogramm gehörte.

Trotzdem natürlich ein formidables Konzert, weil es kaum möglich ist, die Creme der deutschen Jazzszene in eine Gruppe zusammen zu stecken, ohne, daß auch ein gutes Ergebnis von der Bühne schallt.

Die Musiker spielen sich voller (Angriffs-) Lust durch die vertrackten Kompositionen von Gramss, mit Verve und wider eingefahrene Hörgewohnheiten, die gelegentlich nach Halt in einfacheren Rhythmen oder mitwippfähigen Melodie-Linien suchen. Stattdessen gibt es lange freie Soloparts der Bläser Mahall und Schubert, die von dialogisch hin- und her geworfenen Phrasen in längere eigenständige notenständerbefreite Improvisationen münden.



Launig sind wie üblich die Ansagen von Mahall, der eine eigene Komposition als "Happy-Jazz" ankündigt - ohne das dann ernsthaft zu realisieren. Im Gegensatz zu Matthias Schubert wirkt er beim Spielen trotzdem stets vom Schalk besessen. Wegen einer gelungenen Phrase, sei es eine eigene oder auch die eines Mitspielers, lächelt er glücklich vor sich hin. Schubert dagegen spielt immer voll intensiver Hingabe, und mit einem Ernst, der in allen Fasern seines Körpers ebenso wie in den Tönen, die er seinem Tenorsax entlockt, zum Ausdruck kommt. Interessant sein Solo bei dem die Luft nicht ins Saxophon geblasen sondern herausgesaugt wurde!



So ist das Konzert am Ende aus einem Guss und hält, was vorher versprochen war: "Neudeutsche Bebopmelodien, vorgetragen mittels hochgradiger Imstrumentalperfektion, feinsinnig gepaart mit direktem Ur-Kraftquellzugang …" Das ist ebenso falsch wie richtig - wenn überhaupt verständlich - und man hätte dabei sein müssen um es zu verstehen. Immerhin fanden rund 20 Zuhörer den Weg zum Jazzclub und verschmähten das gleichzeitig stattfindende Molvaer-Konzert in Mannheim ;-)








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